Heimatverein Rüsselsheim 1905 e. V.
Rüsselsheim 19. Juli 2012 | kgg In der Ochsengasse, an der Stelle der ersten Werkstatt von Adam Opel, begann die Führung zum „historischen Handwerk in Rüsselsheim“. Dabei weckte die Gruppe einen schlafenden Burschen auf, der unweit an einer Säule auf dem Löwenplatz lehnte. Der erschrockene Schläfer verstand die Welt um ihn herum nicht mehr, denn es stellte sich heraus, dass er dort vor 150 Jahren eingeschlafen war, als er nur kurz auf die Auslieferung einer Nähmaschine warten musste, die er damals bei Adam Opel bestellt hatte. Aber er hatte Glück, denn mit Manfred Powalka, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, leitete ein profunder Kenner der Rüsselsheimer Geschichte die Führung, der den von seinem Vereinskollegen Walter Lotz dargestellten Opel- Kunden mit Bart, Wams und Zylinder schnell aufklären konnte. „Ei, wie sieht’s dann hier aus? Was iss dann hier los?“, wunderte sich der Besucher aus der vergangenen Zeit über den modernen Löwenplatz, wo er doch vor dem alten Kuhstall Opels und den umgebenden Bauernhäusern in den Schlaf gefallen war. „Unn der Löwe iss aach fort!”, vermisste der Nähmaschinenkunde das große Gasthaus um die Ecke, denn dort wollte er auf diesen Schrecken hin erst einmal einkehren. Manfred Powalka musste den verdutzten Zeitgenossen Adam Opels aufklären, dass Opel längst den Kuhstall als Werkstatt aufgegeben
und eine neue Fabrik gebaut hatte. Die allerdings stehe auch nicht mehr, weil sie bei einem Brand 1911 zerstört worden war. An ihrer Stelle wurde das große Backsteingebäude errichtet, erklärte der Heimatvereinsvorsitzende und er zeigte in Richtung Opelportal. Doch der erwachte Schläfer hatte dort nur die „Darmstädter Chaussee“ in Erinnerung und wollte wissen, ob denn die Eisenbahn noch dort verlaufe, „die im letzten Jahr an dieser Stelle gebaut wurde“. Die Bahn gibt es noch, aber inzwischen fahren dort moderne, schnelle Züge, erklärte Powalka und erntete den verwunderten Kommentar: „Die warn doch schnell genug!“ Auch über die Wände aus Glas in der Löwenpassage war er nicht schlecht erstaunt. „Ei, do kann mer jo eninngucke unn sehe, was die mache”, wunderte sich der Erwachte. „Unn was sinnen des fer Farbdippcher“, fragte er zu den Auslagen der Eisdiele. Die Wandergruppe hatte ihre helle Freude an dem Zwiegespräch, das eineinhalb Jahrhunderte überbrückte. In der Marktstraße waren die alten Häuser verschwunden und das Backhaus, „awwer die Kersch steht noch.“ Doch fiel dem Schläfer schnell auf, dass sie bunt angemalt ist und
einen viel höheren Turm hat, an dem allerdings die Uhr fehle. Auch vermisste er das alte Rathaus daneben und den alten Brunnen. Großes Erstaunen gab es auch über die längst verschwundene Blechemballagen- und Metallwarenfabrik, die an der Stelle des heutigen Rathauses gestanden hatte und von Georg Volk betrieben wurde. Und über die nicht mehr vorhandene Thurn- und Taxis’sche Post in der Mainzer Straße und das dortige Gasthaus „Mainzer Gold“. „Und als der Zeitreisende bemerkte, dass die alte Zichorienfabrik nicht mehr existiert und heute dort ein Parkplatz ist, fragte er sich, was die Leute heute trinken und erklärte, dass man damals die Wurzeln der auch Wegwarte genannten Zichorie getrocknet, gemahlen und dann zu Hause zum Kaffee-Ersatz aufgebrüht hatte. An das Gasthaus Mainlust konnte der Mann sich noch erinnern, aber früher sah es anders aus, und er vermisste die vielen Pferdeäpfel unter dem Torbogen, denn dorthin gingen die Leinreiter mit ihren Pferden, wenn sie Rast machten. Und schon bekam auch Walter Lotz Hunger auf Handkäse und Äppelwoi, so wie es schon Adam Opel geliebt hatte, beendete den Rundgang und kehrte mit einem großen Teil der Gesellschaft in das dortige Lokal ein.
Ein „Zeitzeuge“ Adam Opels erzählt http://www.echo-online.de/region/ruesselsheim/Ein-Zeitzeuge-Adam-Opels-erzaehlt;art1232,3071096 Rüsselsheimer Echo
Erwacht in der Gegenwart, fragte Adam Opels Zeitgenosse (Walter Lotz) den Heimatvereinsvorsitzenden Manfred Powalka (links) über Rüsselsheims Gewerbe aus. Bei diesem Dialog gab es für die rund 70 Teilnehmer des Rundgangs viel Spannendes zu hören. Foto: Martina Bennauer
Geschichte – Walter Lorz und Manfred Powalka führen im Rollenspiel zu Orten alter Betriebe in Rüsselsheim
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