Heimatverein Rüsselsheim 1905 e. V.
19.07.2012 - RÜSSELSHEIM Von Claus Langkammer Der Herr im Zylinder, in Weste und mit Regenschirm neben sich an der Säule, erwacht justament neben dem Löwenplatz-Schild mit der Aufschrift „Opels erste Werkstatt“ aus dem Jahrhundert-Schlaf. Es wird sich erweisen, dass dieser Herr als Kunstgriff bei der abendlichen Führung des Heimatvereins zu den Opel-Ecken der Innenstadt ebenso erheiternde wie lehrreiche Dienste leistet. Ist es eigentlich nicht längst abgearbeitet, referiert zum tausendsten Male? Ist es nicht längst Rüsselsheimer Allgemeingut zu fragen, was für eine Persönlichkeit Adam Opel gewesen sei, der „Mann mit der Nähmaschine“? Mitnichten. Historiker Manfred Powalka geleitet den dichten Kultursommer-Pulk seiner Gäste mit einer Fülle liebenswerter, schrulliger und möglicherweise durchaus nicht geläufiger
Details durch die Gassen, er und der Zylinder-Mann Walter Lotz, die einander auf höchst amüsante Weise die Bälle zuspielen. Im Juli 1873 erwacht, erlebt Letzterer er ein abgrundtiefes Erstaunen nach dem anderen. „Fünf Söhne hat der? Leben die noch?“ Zylinder-Mann und Amis Dieses Erstaunen ist zugleich Signal für Powalka, „den Adam“ passend zum Erstaunen zu skizzieren. Der Zylinder- Mann: „Gehen wir zum Löwen-Wirt.“ Powalka: „Nix mehr Löwen.“ Der Zylinder-Mann: „Opel fort, Löwen fort. Was ist denn hier los? Wo bin ich hier?“ Dafür staunt er an Glasfassaden der Löwen-Passage: „Da kann man ja sehen, was die drinnen machen.“ Adams Vater ist geizig. Der Sohn ist schlau und „schafft nebenher“ für den großen Traum. Zum 20. Geburtstag
wünscht er ihn sich als Geschenk: „Lasst mich doch in die Welt hinaus.“ Adam besteigt in Mainz ein holländisches Schiff, ist sich in der Welt für keine Arbeit zu schade und liefert gar Brötchen aus. Zeitsprung: Die erste Nähmaschine ist für den Schneidermeister Hummel, die zweite, jene legendäre, für einen Flörsheimer Schneider - Geschichte bekannt. In einer Zeitungsannonce wird das Wort Preise aus Versehen mit zwei s geschrieben. Die Rüsselsheimer rufen einander zu: „Wie die Preisse“ - also die Preußen. Die Flut der Details will nicht enden. In der Bahnhofstraße erblickt der Mann mit dem Zylinder das Opel-Werk. Dieses Werk, sagt Powalka, „haben die Amis gekauft“. Doch als er das hört, rückt der Zylinder-Mann unbehaglich, sehr unbehaglich am Zylinder.
Stadtführung: Heimatverein wandelt auf den Spuren Adam Opels
http://www.main-spitze.de/region/ruesselsheim/12213820.htm Main-Spitze › Region › Rüsselsheim
Presse