Heimatverein Rüsselsheim 1905 e. V.
http://www.echo-online.de/region/ruesselsheim/-bdquo-Ganzheitlich-angelegte-Kulturarbeit-ldquo-;art1232,1515651   17. Januar 2011  |  es   „Ganzheitlich angelegte Kulturarbeit“
Preisübergabe v.l.n.r.: Norbert Hart & Manfred Powalka (Vorstand) und Bürgermeister Jo Dreiseitel
„Susato Consort“ unter Leitung von Frau Haumann-Schmidt
Städtischer Kulturpreis: Heimatverein 1905 erhält Auszeichnung - Laudator Friedrich Battenberg lobt Engagement Den städtischen Kulturpreis 2010 vergab die Jury im Vorjahr an den Heimatverein Rüsselsheim 1905 , gestern fand die festliche Preisverleihung im Theaterfoyer statt. Allein die mehr als achtzig Gäste und Vereinsmitglieder verdeutlichten, wie beliebt dieser Verein ist und wie tief er als Kulturträger in der Stadt verwurzelt ist. Hatte der Verein bereits eingangs mit einer auf Leinwand projizierten Bilderserie dokumentiert, welche Kostbarkeiten er archiviert und mit Motiven von der Einweihung der alten Opelbrücke, mit einer Luftaufnahme von der alten Opel-Rennbahn, einem bekannten historischen Stich von der Alten Synagoge oder einem Foto von schlitternden Rüsselsheimern auf dem zugefrorenen Main eine Auswahl seiner wertvollen Schätze vorgestellt, so wies Laudator Friedrich Battenberg als Leitender Archivdirektor des Hessischen Staatsarchivs in Darmstadt auf die vielerlei Verdienste des Vereins hin. Er nahm dunkle Flecken in der Vereinsgeschichte nicht aus: der Lehrer Wilhelm Sturmfels als ein überaus engagierter Amateur-Heimatforscher sei heutzutage nicht mehr unumstritten und während der NS-Zeit sei der Heimatverein gleichgeschaltet gewesen und habe sich später zu Fehlentwicklungen bekennen müssen. Ansonsten lobte Battenberg den „vielseitigen Verein“ mit seinen rund 200 Mitgliedern, der nicht nur ein Museum gründete, seit Jahren sein Domizil in der historischen Festung hat und Stadtgeschichte sammelt, dokumentiert, archiviert und regelmäßig beim Malkasten- Kunsthandwerkermarkt in Sonderausstellungen oder bei anderen Gelegenheiten öffentlich präsentiert. Der Heimatverein stelle die Stadt auch als eine geschichtsträchtige Kommune vor, die 830 erstmals als fränkische Siedlung urkundlich erwähnt worden sei und die - mit der katzenellnbogischen Festung, der Evangelischen Stadtkirche des spätbarocken Baumeisters Friedrich Schuhknecht und Rathaus und Marktplatz von Karl Gruber - etliche wertvolle Kulturdenkmäler besitze, die der Heimatverein für die Bürger sicht- und erlebbar gemacht habe. Auch die Vielfalt der Publikationen, mit denen der rührige Verein jahrelang die Bürgerschaft informierte sowie die lokalgeschichtlichen Studien seien vorbildlich für eine derartige Gruppierung, der außer der Museumsgründung auch die seinerzeitige Einrichtung einer öffentlichen Flussbadeanstalt sowie Eisbahnen im Jahr 1905 und 1906 zukomme. „Der Heimatverein betreibt seit seiner Gründung eine offensichtlich ganzheitlich angelegte Kulturarbeit “, lobte Battenberg und erinnerte an die durchweg ehrenamtlich geleistete Arbeit. Für die Vereinsgründung 1905 machte Battenberg die historische Entwicklung und die Einbindung in den historischen Kontext mitverantwortlich. Dabei ging er auf die Aufbruchstimmung um 1880 ein, bezog auch Bismarck, die Finanzkrise, den damaligen Börsenkrach sowie den beginnenden Antisemitismus mit ein. Aus Angst vor Veränderungen und einer drohenden Anonymisierung in der Industriegesellschaft sei es verstärkt zu Vereinsgründungen, Solidarisierung und einer Hinwendung zur Lokalgeschichtsforschung gekommen. Zuvor hatte in seiner Begrüßung Bürgermeister und Kulturdezernent Jo Dreiseitel auf die im Vorjahr bereits erfolgte Auszeichnung des Heimatvereinsvorsitzenden Manfred Powalka mit der städtischen Verdienstplakette in Bronze für herausragende kulturelle Leistungen hingewiesen. Die Verleihung des Kulturpreises, zum 13. Mal in Folge, ist mit einem Geldbetrag von 2500 Euro verbunden. Musikalisch umrahmte das Flötenensemble Susato Consort mit Kompositionen von Preatorius, Hermann Schein und Tilman Susato die Feierstunde auf historischen Instrumenten.
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